Deutscher Gewerkschaftsbund

18.10.2009

Die „gläserne Decke“ bleibt stabil

Frauen sind in Führungspositionen noch immer eine Seltenheit, meldet die Hans-Böckler-Stiftung. Drei Prozent der Vorstände börsengelisteter Unternehmen sind weiblich und gerade einmal zehn von hundert leitenden Angestellten sind Frauen. Je höher die Unternehmensebene, desto niedriger ist der Frauenanteil.

Das ist an sich nichts Neues aber gerade deswegen so alarmierend: Seit 2001 hat sich in Sachen Gleichstellung kaum etwas getan. Damals wehrte die deutsche Privatwirtschaft ein Gesetz ab, das Unternehmen zur Gleichstellung verpflichtet hätte.

2001: Freiwillige Selbstverpflichtung statt Gesetz

Stattdessen unterschrieben Spitzenverbände und die Bundesregierung eine freiwillige Vereinbarung „zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern“. Demnach sollte durch gezielte Maßnahmen „eine deutliche Erhöhung des Beschäftigungsanteils von Frauen erreicht werden, auch in den Bereichen, in denen sie bislang unterrepräsentiert sind. Dies sind insbesondere Führungspositionen und zukunftsorientierte Berufe“. Bei diesen warmen Worten ist es offenbar geblieben. Denn seither „gab es keinen signifikanten Zuwachs an weiblichen Führungskräften“ stellt die Hans-Böckler-Stiftung unter Verweis auf eine bislang unveröffentlichte Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Gertraude Krell fest.

Auch in Aufsichtsräten ist der Frauenanteil nahezu unverändert gering. In Unternehmen ohne Mitbestimmung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegt er bei unter drei, mit Mitbestimmung liegt er mehr als vier Mal höher bei fast zwölf Prozent. Zwar sind die meisten Frauen in diesen Aufsichtsräten Arbeitnehmervertreterinnen. Deren Anwesenheit hat jedoch offenbar eine disziplinierende Wirkung auch auf der Unternehmensseite. Denn der Anteil von Unternehmensvertreterinnen ist in mitbestimmten Aufsichtsräten ebenfalls höher.

Aktive Diskriminierung und homosoziale Reproduktion“

Der Hans-Böckler-Stiftung zufolge führt Krell diese „gläserne Decke“, die Frauen trotz gleicher Qualifikation am Aufstieg hindert, sowohl auf aktive als auch auf eher passive Diskriminierung zurück. Männliche Entscheider würden sich oft für Männer und gegen Frauen entscheiden, da sie mögliche familienbedingte Pausen und anschließenden Leistungsabfall bereits einkalkulieren. Darüber hinaus sei jedoch auch das allgemeine Phänomen der so genannten „homosozialen Reproduktion“ verantwortlich. Demnach tendieren diese Entscheider auch unterbewusst dazu, Personen zu befördern, an denen sie Ähnlichkeiten mit sich selbst wahrnehmen.

Der geringe Frauenanteil in Führungsgremien ist also zum Teil auf einen Teufelskreis zurückzuführen: Je weniger Frauen unter den Entscheidern, desto schlechter die Chancen für andere Frauen zu Entscheiderinnen befördert zu werden. Mit freiwilliger Selbstverpflichtung lässt sich dieser Kreis offenbar nicht durchbrechen. Mit einer gesetzlichen Quote hingegen, wie sie Norwegen bereits erfolgreich für Aufsichtsräte eingeführt hat, wäre nicht nur Frauen geholfen. Auch Unternehmen selbst profitieren nachweislich von Vielfalt in ihrer Belegschaft.


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