Deutscher Gewerkschaftsbund

17.11.2015
Warum Feminist/innen unbedingt zur Fluchtdebatte beitragen sollten

Zeit Online: "Plötzlich wird überall das Patriarchat entdeckt"

Gibt es eine feministische Antwort auf Rassismus? Sollten Feministinnen zur Flüchtlingsdebatte beitragen? Unbedingt, sagt die Soziologin Sabine Hark, Professorin an der TU Berlin, im Gespräch mit Zeit Online.

 

ZEIT ONLINE: Einige Politiker haben angesichts der Flüchtlinge Sorgen um die Sicherheit und Gleichberechtigung der deutschen Frauen geäußert – vor allem solche, die sonst nicht gerade mit feministischen Positionen auffielen. Gewinnen Sie da vielleicht neue Mitstreiter?

Hark: Das ist plumper Rassismus und nichts anderes. Es ist schon erstaunlich, wer plötzlich das Wort Patriarchat fehlerfrei aussprechen kann. Dieses Patriarchat wird jetzt überall entdeckt, nur nicht bei uns. Im Feminismus wird das schon lange unter dem Begriff Femonationalismus diskutiert: Die Indienstnahme feministischer Perspektiven für rassistische Argumentationen.

ZEIT ONLINE: Trotzdem: Braucht es nicht eine feministische Debatte darüber, wie die Flüchtlinge aus Ländern, in denen es andere Rollenverständnisse gibt, unsere Gesellschaft verändern?

Hark: Der patriarchale Fundus ist auch in unserer Gesellschaft noch groß, wenn man sich zum Beispiel ansieht, wie Feministinnen, Geschlechterforscherinnen und Gleichstellungsbeauftragte in den vergangenen Jahren angegriffen wurden, auch in bürgerlichen Leitmedien.

ZEIT ONLINE: Aber Frauen dürfen arbeiten.

Hark: Das durften sie in Syrien auch. Diese pauschalen Aussagen sind einfach blanker Unsinn. Klar, man sollte sich sehr genau ansehen: Wer kommt da, welche Gesetze zur Gleichstellung kennen sie aus den Herkunftsländern, in welchen Wertehorizonten haben sie gelebt. Aber: Wer von woanders kommt, ist rückständiger? So einfach ist es nicht. Schon in der sogenannten Gastarbeitergeneration gab es viele türkische Feministinnen, die die deutsche Frauenbewegung mitgeprägt haben.

ZEIT ONLINE: Und gibt es eine feministische Antwort auf Rassismus?

Hark: Natürlich, Feminismus wendet sich gegen jede Form von Ungleichbehandlung und gegen die Zuschreibung vermeintlich natürlicher Eigenschaften an bestimmte Personengruppen. Die Behauptung, Frauen seien aufgrund naturgegebener Vorgaben für die Kindererziehung vorgesehen, stellen Feministinnen genauso infrage wie die Behauptung, Menschen aus einem bestimmten Land seien eben weniger intelligent.

(Auszug)

Frauen und Flucht, ein sensibles Thema

Gerade weil die Flucht von Frauen aufgrund ihres gesellschaftlichen Status von besonderen Belastungen geprägt ist und sie nach der Ankunft in Deutschland vor besonderen Herausforderungen stehen, ist die Beachtung der Geschlechterperspektive beim Umgang mit Flüchtlingen von großer Bedeutung und darf – trotz der enormen Anstrengungen von Staat und Zivilgesellschaft für ihre Aufnahme – nicht vernachlässigt werden. Die DGB Frauen haben hierzu eine Resolution verabschiedet, in welcher sie ihre Position deutlich machen. Frauenspezifische Fluchtursachen bewusst machen, weibliche Flüchtlinge unterstützen!

Das volle Interview lässt sich hier nachlesen.


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