Deutscher Gewerkschaftsbund

18.08.2015
ELTERNGELD

Stärkung der Partnerschaft

 

Das Elterngeld kann zu einer langfristigen partnerschaftlichen Arbeitsteilung in der Familie beitragen, wenn die betrieblichen Voraussetzungen stimmen.


Von Dr. Christina Stockfisch

Sechs Jahre nach Einführung des Elterngeldes hat die Studie „Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter“ des Forschungsinstituts SowiTra untersucht wie sich die Elterngeldregelung langfristig auf Betriebe/Verwaltungen sowie auf die Partnerschaften der Eltern auswirken.
Die befragten Väter machten von den gesetzlichen Möglichkeiten einen variantenreichen Gebrauch. 71 Prozent beziehen für maximal zwei Monate Elterngeld, 5 Prozent setzen zwölf oder mehr Monate aus, die übrigen Befragten liegen dazwischen. Ein Viertel der Väter arbeitet während der Elterngeldphase in Teilzeit, einige Paare sind in Teilzeit-Teilzeit-Kombination erwerbstätig. Das ElterngeldPlus, das ab Juli 2015 bis zu 28 Elterngeldmonate ermöglicht, wird als gutes Angebot bewertet, wenn beide Partner ihre Arbeitszeit reduzieren wollen.

Ob Väter sich überhaupt für Elternmonate entscheiden, hängt der Studie zufolge vor allem davon ab, wie sicher der Arbeitsplatz und wie familienorientiert der Arbeitgeber ist. Für die Nutzungsdauer sei maßgeblich, ob es zwischen den Partnern Unterschiede bei Qualifikation und Einkommen gibt und wie groß diese sind. Auf betrieblicher Ebene hätten die Vertretungsmöglichkeiten großen Einfluss, zudem spielten die direkten Vorgesetzten eine Schlüsselrolle:

Auf partnerschaftlicher Ebene wirken sich ein egalitäres Leitbild des Paares und eine starke Berufsorientierung der Partnerin besonders positiv auf eine längere Elterngeldphase der Väter aus.

Als wichtigsten Effekt der Elternmonate nennen die Väter eine stärkere Beziehung zu ihrem Kind. Darüber hinaus bessere sich durch die partnerschaftliche Arbeitsteilung die Qualität der Paarbeziehung und den Frauen eröffnen sich neue berufliche Spielräume. Fast zwei Drittel der Befragten mit mindestens drei Elternmonaten geben an, dass ihre Elterngeldzeit der Partnerin den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert hat.

Auch langfristig ist ein Zusammenhang zwischen der Elterngeldnutzung und der Rollenverteilung feststellbar. Der Befragung zufolge reduziert etwa jeder vierte Vater unmittelbar im Anschluss an die Elternmonate seine Arbeitszeitdauer. Von denjenigen, die mindestens drei Monate eine berufliche Auszeit nehmen, sind es 40 Prozent, von den anderen 22 Prozent. Jeder Fünfte arbeitet längerfristig kürzer, von den Vätern mit längerem Elterngeldbezug fast jeder Dritte. Das deutet darauf hin, dass die Elterngeldphase vielen Vätern als „Schnupperkurs“ dient, um sich mit Alternativen zur Vollzeit vertraut zu machen.

Um das Potenzial des Elterngelds noch besser auszuschöpfen, empfehlen die Wissenschaftler, auf eine „vätersensible“ und gleichstellungsorientierte Betriebskultur hinzuwirken. Handlungsbedarf bestehe auch bei den Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz. Darüber hinaus seien Angebote zur vorübergehenden Reduzierung und familienorientierten Gestaltung der Arbeitszeit nötig. Denkbar wäre etwa, dass Unternehmen die ElterngeldPlus-Regelung durch eine Aufstockung der Zahlungen noch attraktiver machen. Nicht zuletzt gelte es, geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsmarkt abzubauen.

Potrait Christina Stockfisch

Dieser Artikel ist Teil des Infobriefs "frau geht vor" der DGB Frauen.


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