Deutscher Gewerkschaftsbund

26.09.2008
Hintergrund

Ursachen der Entgeltlücke: Von der klassischen Rollenverteilung bis zur Gehaltsverhandlung

Die Ursachen für die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen sind komplex. Sie haben aber eines gemeinsam: Sie gehen im Wesentlichen auf traditionelle Geschlechterrollen zurück. Dazu gehört vor allem die Vorstellung, dass Frauen für die direkte Betreuung der Familie und der Kinder zuständig sind und ihre Arbeit weniger wert ist, während dem Mann die Rolle des Ernährers zukommt.

Dass diese Ansicht überholt ist und Frauen genauso wie Männer einer Erwerbstätigkeit nachgehen ist scheinbar gesellschaftlicher Konsens. Die berufliche Realität für Frauen zeigt jedoch, dass sie ihren Weg noch immer nicht frei wählen können, ohne gleichzeitig Abstriche machen zu müssen, sei es bei der Karriere oder beim Entgelt.

Karriereknick und Teilzeitbeschäftigung

Auch wenn das Elterngeld zunehmend Männer ermutigt, Erwerbsunterbrechungen wegen der Kindererziehung in Kauf zu nehmen, so sind es doch immer noch vornehmlich die Frauen, die sich hier in der Verantwortung sehen. Eine Auszeit im Beruf aber führt bisher unweigerlich zu einem Karriereknick und letztlich zu einem geringeren Gehalt.

Doch auch wenn die Kinder aus dem Gröbsten herausgewachsen sind, müssen sich Frauen zwischen Karriere und Familie entscheiden, weil es nicht genug Betreuungsangebote für den Nachwuchs gibt. Deshalb greifen viele Frauen auf das Prinzip der Teilzeitarbeit zurück, um Kinder und Beruf zu vereinen. Der Nachteil: Frauen verdienen dadurch weniger, meist nicht Existenz sichernd, und sind von Beförderungen und Weiterbildungen im Betrieb weitestgehend ausgeschlossen.

Aber selbst wenn Frauen Vollzeit arbeiten, ist die Zweifachbelastung von Haushalt und Beruf ein Grund für den Gehaltsunterschied. Eine Studie belegte unlängst, dass Hausarbeit die Frauen von Weiterbildungen oder wichtigem Networking abhält (siehe auch Linkliste unten: Studien zur Entgeltlücke).

Entgeltdiskriminierung

Frauen sind aber auch von mittelbarer und unmittelbarer Entgeltdiskriminierung betroffen, selbst wenn sie keinerlei familiäre Verpflichtungen haben. Das beginnt bei der Berufswahl. Frauen tendieren hier noch immer stark zu traditionell „typischen Frauenberufen“ wie zum Beispiel Pflege und klassische Dienstleistungsberufe. Diese werden im gesellschaftlichen Ansehen oft weniger wert geschätzt, sind schlechter bezahlt und bieten kaum Karrierechancen.

Positionen und Entgelte in Branchen, die eher als Männerdomänen gelten, sind zwischen den Geschlechtern immer noch ungleich verteilt, obwohl Frauen hier auf dem gleichen Ausbildungs- und Qualifikationsstand sind wie ihre männlichen Kollegen. Dazu gehören zum Beispiel die Baukonstruktionsberufe mit einem Entgeltabstand von 40 Prozent. Aber auch im öffentlichen Dienst sind die Unterschiede zwischen den Gehältern von Frauen und Männern erschreckend hoch. Rund 20 Prozent weniger bekommen Frauen hier im Schnitt - im mittleren und höheren Dienst geht die Schere noch weiter auf. Sogar kreative Berufssparten wie Grafikdesign, die vermeintlich als gleichberechtigt gelten, weisen eine Entgeltlücke von um die 30 Prozent auf. „Argumente“ wie körperliche Belastungsfähigkeit, die in Berufen mit hoher körperlicher Betätigung wie zum Beispiel in der Baubranche oft ins Feld geführt werden, sind hier zweifelsohne nicht gegeben. Sicherlich wirkt sich Lohndiskriminierung auf betrieblicher Ebene ursächlich für den Entgeltabstand aus.

So werden Frauen beim Einstieg gern geringer eingestuft und bei Zulagen im Zweifel weniger berücksichtigt. Nachzuweisen sind solche Vorgänge meist schwer, da in der Argumentation auf andere Faktoren ausgewichen wird. Dass Frauen beispielsweise in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender agieren als männliche Kollegen wird oft als Rechtfertigung genannt. Tatsächlich aber ist der Arbeitgeber verpflichtet unabhängig davon für gleichwertige Arbeit gleich zu entlohnen.

Allein durch einen Generationenwechsel und die allmähliche Entwicklung hin zu einer familienfreundlichen Unternehmenskultur wird sich die Entgeltdifferenz nicht ausgleichen.

Zu den von der Gewerkschaft geforderten Maßnahmen gehört deshalb unter anderem eine geschlechtsunabhängige Leistungsbewertung als Grundlage der Entgelthöhe.


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