Deutscher Gewerkschaftsbund

11.08.2015
SCHLICHTERSPRUCH

Aufwertung sozialer Berufe: Offener Brief der BAG an ver.di-Chef Frank Bsirske

 

Im Falle der letzten Streiks der Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen entfachte der gefällte Richterspruch einige Debatten - und auch Unmut. In diesem Sinne wenden sich nun die Sprecherinnen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands in einem offenen Brief an den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske:

 

Mitgliederbefragung zum Schlichtungsergebnis "Soziale Berufe"

 

Sehr geehrter Frank Bsirske,

vielen Dank für das Engagement Ihrer Gewerkschaft endlich für eine bessere Bezahlung der sogenannten „Frauenberufe“ zu kämpfen.

Tausende von ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen sind dafür wochenlang auf die Straße gegangen. Sie haben die Nase voll von der chronischen Unterbezahlung in ihren Berufsgruppen.
Wir wissen, dass es den KollegInnen nicht leicht gefallen ist, ihre Kitas zu bestreiken, weil sie auch im Streik das Wohl der Kinder und die Situation der berufstätigen Eltern im Auge haben.

Das Ergebnis der Schlichtung, ausgehandelt zwischen den Herren Schmalstieg und Milbradt (warum saß keine Frau am Verhandlungstisch bei so vielen Frauen in diesen Berufen?) ist mehr als enttäuschend.
Es ist ein Schlag in das Gesicht der Kolleginnen, eine Ignoranz gegenüber ihren Leistungen und der großen Verantwortung, die sie tragen.

Aus gleichstellungspolitischer Sicht kann das Schlichtungsergebnis nur abgelehnt werden - eine Aufwertung von klassischen Frauenberufen muss anders aussehen!

Wird jetzt keine deutliche Aufwertung (inhaltlich und finanziell) erreicht, dann steht zu befürchten, dass es auf Jahre keine Bewegung mehr in Richtung besserer Bezahlung geben wird. Außerdem werden sich viele KollegInnen, die wochenlang in den Ausstand getreten sind und einen hohen Druck aushalten mussten, enttäuscht und resigniert zurückziehen.

Unabhängig vom Ausgang der Mitgliedsbefragung am 8.8.2015 fordern wir Sie dazu auf, mit einer neuen wirkungsvollen Kampagne den Druck auf die Arbeitgeber aufrecht zu erhalten. Die schlechte Bezahlung von „typischen Frauenberufen“ – auch im öffentlichen Dienst - muss endlich ein Ende haben. Wir erwarten, dass Verdi die Kolleginnen darin auch weiterhin unterstützt.

Nur der halbe Weg ist geschafft – jetzt geht es um das Ziel!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands erwartet von Ihnen als Vorsitzenden der Gewerkschaft Verdi eine rückhaltlose Unterstützung der Forderung nach angemessener Bezahlung von ErzieherInnen, KinderpflegerInnen und SozialarbeiterInnen auch über den 8.8.2015 hinaus.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) vertritt fast 1900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Gemeinsam mit den Kolleginnen vor Ort erwarten wir die Ergebnisse der Mitgliederbefragung mit Spannung und werden darauf öffentlich reagieren.

Aufwertung Jetzt!

 

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Morof
Beate Ebeling
für die Bundessprecherinnen

 

Der Brief kann hier in Gänze angesehen werden:

 


Nach oben

DGB-Projekt "Was verdient die Frau?"

Dein Sprungbrett – Webinare und Beratung für junge Frauen

DGB-Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten"

DGB-Projekt "Zwischen Familie & Beruf passt kein ODER"

Klischeefrei

DIREKT ZU IHRER GEWERKSCHAFT

DGB-INFOSERVICE EINBLICK

Das Hilfetelefon - Gewalt gegen Frauen

Perspektive Wiedereinstieg

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Alle familienpolitischen Leistungen unter einem Dach
Unter der Webadresse www.familienportal.de stellt das Bundesfamilienministerium ab sofort alle wichtigen Informationen und Beratungsangebote rund um das Thema Familie zur Verfügung. Ob Elterngeld, Kinderzuschlag oder Unterhaltsvorschuss – alles ist verständlich dargestellt und leicht zu finden. weiterlesen …
Artikel
Männer setzen Arbeitszeit-Standards
Eigentlich wenig überraschend: Es sind immer noch die typischen „männlichen“ Arbeitszeitarrangements, die den Standard setzen. Das gilt in Führungspositionen noch mehr als anderswo: Überlange Vollzeitarbeit, dauerhafte Präsenz, Reisebereitschaft, lückenlose Erwerbstätigkeit. weiterlesen …
Link
Auch die Wissenschaft fordert: Aufwerten, jetzt!
Von wegen Basteltante! Die Anforderungen an Erzieher/innen steigen seit Jahren massiv an. Eine Aufwertung der sozialen Berufe (SuE) ist damit dringend nötig, mahnt nun auch die Wissenschaft zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten