Deutscher Gewerkschaftsbund

04.09.2020

Die Hälfte der Sorge- und Hausarbeit den Männern

Krisenpolitik ist Gleichstellungspolitik

Krisenpolitik ist Gleichstellungspolitik

 

Unbezahlte Sorgearbeit – die Betreuung und Erziehung von Kindern, Hausarbeit, Ehrenamt und die Unterstützung und Pflege von Familienangehörigen – ist die Grundlage unseres Zusammenlebens. Sie ist zwischen Männern und Frauen nicht fair verteilt. Frauen erledigen den Großteil. Für viele von ihnen sind die ökonomischen und sozialen Folgen schwerwiegend.
Deshalb haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauen-, Männer- und Sozialverbänden sowie aus Selbsthilfeorganisationen und Stiftungen im Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Gleiche Verwirklichungschancen für alle Geschlechter.


Umverteilen statt vereinbaren!
Für gleiche Chancen auf wirtschaftliche Eigenständigkeit

Wissenschaftliche Studien bestätigen die Sorgelücke zwischen den Geschlechtern: Frauen verrichten im Durchschnitt täglich rund 90 Minuten mehr Sorgearbeit als Männer. Sie wenden damit mehr als anderthalbmal so viel Zeit dafür auf. Die Lücke in Bezug auf unbezahlte Sorge- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen, der Gender Care Gap, beträgt 52 Prozent, diejenige zwischen Müttern und Vätern in Paarhaushalten mit Kindern 83 Prozent.

Erwerbsarbeit und das durch sie erzielte Einkommen sind in unserer Erwerbsarbeitsgesellschaft entscheidend dafür, den Lebensunterhalt zu verdienen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen und sozial abgesichert zu sein. Die Menge an Zeit, die wir für Erwerbsarbeit einsetzen, beeinflusst ihrerseits die Möglichkeiten, Erwerbsarbeit, Familie und alle anderen Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen.

Im Unterschied zur Übernahme finanzieller Verantwortung für sich und andere durch bezahlte Erwerbsarbeit ist die Übernahme sozialer Verantwortung in Form von privat geleisteter Sorge- und Hausarbeit – die sogenannte Reproduktionsarbeit – unbezahlt. Gleichwohl ist sie Voraussetzung für Erwerbsarbeit, für die Reproduktion von Arbeitskraft und die Erwirtschaftung von Gewinnen. Sie ist gesellschaftlich und ökonomisch notwendige Arbeit.

Nach der Definition der Sachverständigenkommission für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung umfasst Sorgearbeit „alle Tätigkeiten der Pflege, Zuwendung und Versorgung für sich und andere“. Als Individuum, als Gesellschaft und als Volkswirtschaft sind wir alle auf diese lebensnotwendigen Tätigkeiten angewiesen.

Strukturelle, gesetzliche und betriebliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel im Steuer- und Sozialrecht, die Bewertung von Arbeit sowie unzureichende Betreuungsangebote für Kinder und Pflegebedürftige setzen widersprüchliche Anreize mit der Wirkung, dass Männer und Frauen nicht gleichermaßen in die Lage versetzt werden, im Lebensverlauf Erwerbs- und Sorgearbeit nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Gleiche Chancen auf wirtschaftliche Eigenständigkeit und Existenzsicherung und die Möglichkeit, Sorgearbeit zu leisten, sind in Deutschland noch immer nicht verwirklicht.

Für viele Frauen sind die ökonomischen und sozialen Folgen der geschlechtertypischen Arbeitsteilung (und Arbeitszeitverteilung) schwerwiegend. Dazu gehören Einkommensverluste, eingeschränkte berufliche Perspektiven, unzureichende soziale Absicherung von Lebensrisiken, wie zum Beispiel bei Trennung oder Scheidung, und im Alter. Sie verhindern die selbstbestimmte Erwerbs- und Lebensgestaltung von Frauen. In der Regel übernehmen Frauen, insbesondere wegen der Versorgung kleiner Kinder und wegen Pflege, den überwiegenden Teil der Sorgearbeit und verzichten auf eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit.

Für die meisten Männer ist die Rolle als Allein- oder Hauptverdiener des Familienunterhalts noch immer selbstverständlich; für Sorge- und Hausarbeit bleibt in der Regel wenig Raum und Zeit. Dort, wo sie familiale Sorge- und Hausarbeit übernehmen und deswegen ihre Erwerbsarbeitszeit reduzieren oder berufliche Auszeiten nehmen, stoßen viele auf Unverständnis, Spott und Widerstand. Rollenstereotype und gesellschaftliche Erwartungen behindern auch ihren selbstbestimmten Lebensentwurf.

Diese Zusammenhänge und die Suche nach Antworten auf die Frage, wie partnerschaftliche Erwerbs- und Sorge-Arrangements unterstützt werden können, waren Gegenstand der Diskussion auf der heutigen Online-Konferenz mit Bundesfrauenministerin Franziska Giffey.

 

Hier geht's zur Pressemitteilung des Deutschen Frauenrats!

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Gesellschaftlich zeigen sich die Konsequenzen der ungleichen Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern in der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen, beruflicher Positionen sowie politischer und ökonomischer Macht. Die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung der Sorge- und Hausarbeit steht in keinem Verhältnis zu deren gesellschaftlicher und ökonomischer Bedeutung.

Das muss sich ändern!

Deshalb haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauen-, Männer- und Sozialverbänden sowie aus Selbsthilfeorganisationen und Stiftungen im Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Gleiche Verwirklichungschancen für alle Geschlechter. Strukturelle Benachteiligungen müssen abgebaut und geschlechterstereotype Vorstellungen aufgebrochen werden. Sorge- und Erwerbsarbeit müssen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Familienform, sexueller Orientierung oder sozialem Status – als selbstverständliche Elemente weiblicher wie männlicher Lebensverläufe begriffen und möglich gemacht werden, ohne dass dies zu individueller Überforderung führt.

Ziel des Bündnisses ist es, die geschlechtergerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zu fördern und darauf hinzuwirken, dass sich die Sorgelücke schließt.

Hier geht’s zum Download der Pressemitteilung des Bündnisses „Sorgearbeit fair teilen“

 

 


 

 

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