Deutscher Gewerkschaftsbund

20.11.2021

Resolution: Aufbruch in ein Jahrzehnt der Gleichstellung

BFK

DGB

Resolution: Aufbruch in ein Jahrzehnt der Gleichstellung

Mit rund zwei Millionen weiblichen Mitgliedern sind die DGB-Gewerkschaften die größte Interessenvertretung erwerbstätiger Frauen in Deutschland. So unterschiedlich unsere Mitgliedschaft ist, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen in der Coronapandemie. Aber eines ist allen gemein: Die Frauen im DGB erleben die Pandemie als große Herausforderung und Belastung!

Für die einen ist es die herausfordernde, wenn nicht überfordernde Tätigkeit in einem systemrelevanten Beruf. Für die anderen ist es die Gleichzeitigkeit von Homeoffice, Kinderbetreuung, Pflege und noch mehr Hausarbeit. Und für viele sind es zusätzlich die finanziellen Sorgen, weil das Kurzarbeitsgeld aufgrund von Teilzeit und Steuerklasse V minimal ausfällt, die Stelle krisenbedingt weggefallen ist oder der Minijob verlorenging, der gar nicht sozial abgesichert war. Die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern drohen sich zu verschärfen – von der Sorgelücke über die Arbeitszeitlücke bis hin zur Entgeltlücke: Gleichstellungspolitisch ist die Coronapandemie ein Desaster!

Damit sich unsere schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheiten und die Gleichstellung im Prozess der Transformation unter die Räder kommt, damit vielmehr die eigenständige Existenzsicherung von Frauen möglich gemacht und unterstützt wird, erwarten wir von der künftigen Bundesregierung, dass sie die Geschlechtergerechtigkeit entschlossen vorantreibt: Die Zwanzigerjahre müssen zu einem Jahrzehnt der Gleichstellung werden.

Konkret fordern wir von allen, die den Koalitionsvertrag verhandeln:

Die Beibehaltung der gesetzlichen Höchstgrenze für die tägliche Arbeitszeit, denn die geplante Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes missachtet die gesundheitlichen Belastungen der Beschäftigten, insbesondere wenn sie Erwerbs- und Sorgearbeit verbinden wollen.

Die Stärkung der Tarifbindung und der Mitbestimmungsrechte, denn dort wo Tarifverträge gelten, ist die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern geringer und die finanzielle Absicherung besser. Flächentarifverträge müssen gestärkt, die Allgemeinverbindlicherklärung erleichtert und Verbandsklagerechte ausgebaut werden.

Die Aufwertung sozialer und personennaher Dienstleistungen, denn um Gesundheits- und Erziehungsberufe attraktiver zu machen, muss für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen mehr Geld ins System.

Die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, denn durch die im Sondierungspapier verankerte Erhöhung der Minijobgrenze auf 520 Euro wird noch mehr Frauen reguläre Erwerbsarbeit vorenthalten.

Die Abschaffung der Steuerklasse V und des Splittingverfahrens, denn einkommensverzerrende Elemente im Steuersystem müssen zugunsten einer gerechten Besteuerung von Paaren und des Einstiegs in eine Individualbesteuerung ersetzt werden.

Wegweisende Weichenstellungen für die Umverteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Sorge- und Hausarbeit in Paarbeziehungen, zum Beispiel durch Verbesserungen beim Elterngeld und die Einführung einer bezahlten sogenannten Vaterschaftsfreistellung. Denn nur so können Eltern – insbesondere Mütter – ihre eigene Existenz und die ihrer Kinder sichern, auch außerhalb der herkömmlichen Familienkonstellation und jenseits traditioneller Rollenerwartungen.

Den konsequenten Ausbau der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, denn erwerbstätige Eltern müssen sich auf ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges Ganztagsangebot an Kitas und Schulen verlassen können und Pflegende brauchen bedarfsgerechte und bezahlbare Unterstützungs- und Entlastungsangebote.

Die Weiterentwicklung und nachhaltige Gestaltung der ressortübergreifenden Gleichstellungsstrategie, denn nur wenn alle Ministerien die Gleichstellung verbindlich als Maßstab für ihr Regierungshandeln begreifen, kann Geschlechtergerechtigkeit gelingen.

Einen Gleichstellungs-Check für alle Gesetze, Vorhaben und Programme, denn nur wenn die Unterschiede in der Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern wahrgenommen werden, können Ressourcen gerecht verteilt werden.

Die angemessene Repräsentanz von Frauen und ihren Interessen in Wirtschaft und Politik, denn im Jahr 2021 sollten Frauen auf allen Ebenen in Unternehmen und Verwaltungen ebenso selbstverständlich sein wie ein paritätisch besetztes Bundeskabinett und ein Ressort, das sich ausdrücklich um die Überwindung der Benachteiligung von Frauen kümmert. Darüber hinaus muss die anstehende Wahlrechtsreform die paritätische Besetzung von Mandaten zum Ziel haben.


Nach oben

DGB-Frauen bei Facebook

DGB-Projekt "Was verdient die Frau?"

DGB-Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten"

Direkt zu ihrer Gewerkschaft

Logos der acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften
DGB

Frauenausstellung

Der DGB-Zukunftsdialog

Logo Zukunfstdialog
dgb

Sei dabei

Aktiv im

Deutscher Frauenrat
Deutscher Frauenrat

Unsere Partner