Deutscher Gewerkschaftsbund

18.08.2015
GIRLS' DAY & BERUFSWAHL

Was darf’s denn sein...?

 

Von Mareike Richter

Ausbildungsberufe und Studiengänge in der IT, im Handwerk, in Technik und Naturwissenschaften kennenlernen und weiblichen Vorbildern in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik begegnen - beim Girls‘Day am 23. April haben Mädchen ab der 5. Klasse wieder die Möglichkeit, Berufe zu erkunden und kennenzulernen – jenseits von klassischen Rollenbildern.

Als Lena 15 Jahre alt ist und ihr die Frage gestellt wird, was sie sich von ihrer Zukunft erwartet, fällt die Antwort bescheiden aus: „Ich bin schon aufgeregt was nach der Schulzeit auf mich zukommt. Eine konkrete Vorstellung von dem, was ich mal werden möchte habe ich noch nicht.“ Lenas Aussage steht für viele ihrer Mitschüler/innen. Die Umbruchphase der Berufsorientierung geht oft mit Unsicherheiten einher: Nach einer neuen Jugendstudie ist jede/r vierte Schüler/in über den beruflichen Werdegang besorgt. Damit geht einher, dass fast der Hälfte der Schüler/innen die Berufswahl schwer fällt, nur knapp ein Drittel weiß, welchen Beruf sie erlernen möchten.

Freude am Beruf ist ein Muss

Nur eines wissen junge Menschen ganz genau: Der Beruf muss Raum zur Selbstverwirklichung bieten und Freude bereiten: „Ich will einen Job, der mir Spaß macht und passen sollte er zu mir“, so Lenas Anspruch an ihren zukünftigen Beruf. Ein gutes Einkommen, einen sicheren Arbeitsplatz sowie Beschäftigungsbedingungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, finden bei der Berufswahl kaum Berücksichtigung.

 Schüler/innen klagen über Informationsdefizite

Vielen jungen Menschen ist das breite Spektrum an Berufen nicht bekannt und sie wissen zu wenig über die Ausbildungsinhalte. Informationen zu Verdienst-, Anschluss- und Aufstiegsmöglichkeiten rücken bei der Berufsberatung in den Hintergrund. Kurz: Schüler/innen fühlen sich schlecht informiert. Ein Grund sich in altbekannten und sicheren Rollenmustern zu bewegen? Bestimmt! Hinzukommt, dass sich die meisten Schüler/innen in ihrem sozialen Umfeld nach Berufsmöglichkeiten umschauen. Eine Verstetigung von vorgelebten und fest verankerten Rollenmustern ist damit vorprogrammiert.

Berufliche Pläne geprägt von traditionellen Rollenmustern

Betrachtet man das Berufswahlverhalten von Frauen und Männern wird schnell deutlich: Geschlechterunterschiede herrschen noch immer in den Köpfen junger Menschen. Entsprechend tradierter Rollenmuster suchen Mädchen ihren Traumberuf im medizinischen, sozialen und kaufmännischen Bereich, wohingegen Jungs technische und handwerkliche Berufe vorziehen. Häufig werden diese Rollenstereotypen von den Vorstellungen der Eltern und dem sozialen Umfeld mitgetragen.

Klassische Frauenberufe schlechter entlohnt

Einkommen in frauen- und männerdominierten Branchen fallen unterschiedlich aus: Bereiche, in denen Verantwortung für den Menschen übernommen wird, werden gesellschaftlich schlechter bewertet als Branchen mit Verantwortung für Technik – und damit auch schlechter entlohnt. Warum also nicht mal anders?

Raus aus traditionellen Rollenbilder mit dem Girls‘ Day

Weg von veralteten Geschlechterstereotypen – dafür braucht es Einblicke in Berufe fernab von geschlechtsspezifischen Rollenvorstellungen. Der Aktionstag Girls’Day gibt Mädchen die Möglichkeit, typische Männerberufe kennenzulernen und praktische Eindrücke zu sammeln – er ist damit ein wichtiger Baustein in der Berufsfindung. Am Mädchen-Zukunftstag öffnen Unternehmen und Organisationen ihre Türen und bieten Einblicke in Berufe in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften. 2014 erkundeten rund 103.000 Mädchen, die mehr als 9.000 Angebote von Unternehmen und Organisationen. Und der Girls‘ Day zeigt seine Wirkung: Laut Bundesagentur für Arbeit wachsen die Beschäftigtenzahlen der Frauen in vielen männerdominierten Berufsgruppen. Der Frauenanteil unter den Studierenden, die z. B. ein Ingenieurstudium begonnen haben, ist erneut gestiegen und erreicht einen Höchstwert von 24 Prozent. Vielleicht ist auch Lena bald mit dabei und zeigt, dass es auch anders geht.

Studie

„Schule, und dann? Herausforderungen bei der Berufsorientierung von Schülern in Deutschland“ - Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland mit einem Kommentar von Klaus Hurrelmann, November 2014

Zur Webseite des GIRLS' DAY

 

Potrait Mareike Richter

Dieser Artikel ist Teil des Infobriefs "frau geht vor" der DGB Frauen.


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